Faris Al-Sultan - Ironman World Champion Ironman 70.3 Monterrey

28.03.2015 - Was soll ich sagen, man kann viel richtig machen und es haut trotzdem nicht. Da beschließt man, den Saisonstart in die Sonne zu verlegen, da enttäuscht einen auch Mexiko: Regen. Nicht unbedingt kalt, aber schon wieder Regen, nach Rügen und Immenstadt 2014, der nächste Wettkampf im Siff.

Das Renngeschehen aus meiner Sicht: Ein gutes Schwimmen, immerhin kam ich als erster aus dem Wasser gekrochen, ein wie immer nicht ganz optimaler Wechsel und eine zu langsame Startphase auf dem Rad bringen mich, wie so oft in den letzten Jahren, an die Bruchkante von erster und zweiter Gruppe und ich lande an der Spitze der zweiten.

Am Rad ist die Form nicht Fisch und nicht Fleisch. Im Gegensatz zu manch anderem in der Gruppe kann ich, die Kampfrichter waren wie oft lediglich Zierde, ohne dem Vordermann in den Popo zu beißen, durchaus konstant flott fahren (290 Watt Ironman Wettkampftempo), aber es fehlt der  Bums, um nach vorne das Loch zu schließen oder eine Lücke zu reißen.

Jordan Rapp kam irgendwann nach vorne und fuhr ein sehr gutes Tempo, dem ich mich anschloss und wir holten erstaunlicherweise auf.

Ich fühlte mich fürs Laufen gut vorbereitet, ich war energetisch nicht leer und das Training hat gepasst. Doch leider war nicht nur die Kopfsteinpflasterpassage auf der Radstrecke, sondern auch die Laufstrecke rutschig. Von den etwa 21km sind ca. 20km auf Fliesen oder bemaltem Asphalt der zumindest für meinen Laufstil nicht annähernd genug Reibung bietet, dass irgendetwas geht. Mir ist nach wie vor schleierhaft, wo Tim Don die Bodenhaftung her hatte, aber ich konnte mich schlicht konditionell nicht ausschöpfen.

Die Dichte war abgesehen von Tims überragender Leistung sehr hoch: Platz 2-8 innerhalb von drei Minuten, was natürlich bei flacher Strecke und gemeinsamem Rad fahren nicht verwundert.

Vom Wettkampfergebnis abgesehen, war Mexiko aber durchaus eine Reise wert. Monterrey ist eine wichtige Industriestadt, die einen nicht an das gängige Bild von armen Bauern mit Sombrero, die in den USA Gärtner werden wollen, denken lässt.

Wieso ich eigentlich nach Monterrey gefahren bin? Nun ja, zunächst mal war es nach drei Trainingslagern an der Zeit, die Form zu testen und zu dieser Zeit gibt es nicht viele Wettkämpfe. Zum anderen arbeitet mein Freund Christopher Haas bei EuroGermano, einer Firma, die Räder und Radsportzubehör nach Mexiko importiert und einer deren Kunden ist ein Radladeninhaber und begeisterter Triathlet, der sich als eine Art Gastgeber um Christopher, einen weiteren Freund und um mich kümmerte. Gemeinsame Radausfahrten unter dem Schutz eines Fahrers, nicht schlecht im Stadtverkehr Monterreys, Läufe auf der Wettkampfstrecke, Zugang zum schicken Schwimmbad des örtlichen Country Clubs  und Insidertipps für die besten Restaurants der Stadt waren angenehme Annehmlichkeiten.

Die Triathlongemeinde in Mexiko ist sehr enthusiastisch und wächst rasant. Es war mir eine Freude, dort ein bisschen von meinem Triathletenlatein loszuwerden und Tipps geben zu können.