Faris Al-Sultan - Ironman World Champion Logbuch von Faris, es schreibt der Kapitän

Sternzeit: Kurz vor knapp

Zustand: Alles nicht so Roger

Nach dem San Juan-Desaster ging es gleich wieder in die Emirate. Zunächst ging es nach Fujairah dem Emirat, das nicht am Golf sondern am indischen Ozean liegt.

Leider habe ich aus San Juan ein paar Muskelprobleme am Hinterteil mitgebracht und der Jetlag hat mich die ersten Tage in ein fröhliches Wachkoma versetzt, Reisen ist nichts für mich.

Man soll ja glauben, dass Training den Fitnesszustand verbessert, aber rein subjektiv habe ich den Eindruck, dass es seit Januar nicht wirklich vorwärts geht.

Die Grundlage steht, wie immer, Kraft, Spritzigkeit und Tempohärte sind dagegen schwer überschaubar, dazu ungewohnte Ausrüstungssorgen. Ja in so einem Team, wenn man einen Werner hat, wird einem schon so manches abgenommen.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, es gibt jetzt eine etwas andere direkte Vorwettkampfphase und 15 Jahre Triathlonroutine müssen ja auch zu irgendwas gut sein.

Neben dem Training bieten die Emirate auch immer wieder interessante Erlebnisse am Rande des Triathlongeschehens. Wer wie ich, glücklicher Besitzer eines Storck Aero 2 ist, und die Sattelklemme in der Hand hatte oder bei bestimmten Sattelbefestigungen mal genauer hingeschaut hat, der hat vielleicht schon einmal diese tonnenförmigen “Schraubenmuttern” gesehen. Ja, auch dort kann das Gewinde kaputtgehen und in der Heimat bedeutet das ein Gang in den nächsten Radladen oder zu Obi. Ohne Radladen und Obi allerdings fährt man nur noch im Stehen.

In Fujairah gibt es weder einen Radladen, der diesen Namen verdient, noch einen Obi mit Würth Schraubenkomplettsortiment.

Was also tun? Nach Dubai zu Wolfi’s Bike Shop bedeutet insgesamt vier Stunden Autofahren. Also dann mit dem Rad im Stehen, nein mit Tape kann man zumindest beim Aero 2 die Sattelstütze nicht befestigen, ins 15km

entfernte “Industrieviertel” von Dibba, einer Kleinstadt im Norden des Emirats Fujairah.

Erster Laden, Kärcher und Staubsaugerverkauf, kein Teil. Schickt mich zu den Autowerkstätten. Erste Werkstatt nein, frag weiter hinten. Zweite Werkstatt nein, frag ganz hinten. Dritte Werkstatt nein frag beim Spezialisten. Der Spezialist: nein geh zu Abdouli. Wo ist Abdouli? Zweite links hinten, Mitte vorn ???? Also fährt ein Knecht mit uns auf einem echten Pakibike mit Doppeloberrohr die 500m zu Abdouli..

Abdouli ist der Albtraum des deutschen Handwerksmeisters. Alles ist völlig verdreckt, alles liegt kreuz und quer. Der Spruch “Ordnung ist was für Dummköpfe, ein Genie überblickt das Chaos”, nahm sicherlich hier seinen Ursprung.

Ich zeige einem Abdoulimitarbeiter meine Tonnenmutter und die Sattelklemme. So ein Teil hat er natürlich nicht, aber er macht sich auf den Weg in die Werkstatt. Nach einigen Minuten kommt er mit einem runden Eisenstab zurück, der wird abgesägt, ein Gewinde wird hineingeschnitten und das Ding sieht abgesehen von der Lackierung so aus wie meins. Nach ein bisschen herumfeilen, voila, passt es auch. Indian engineering war erfolgreich und ich habe eine handgemachte Tonnenmutter, ohne die ich meinen 10.000 Euro Boliden nicht bewegen kann. Ich bin überglücklich und lege zu den umgerechnet 6 Euro nochmal 2 drauf und bin total mobil.