Faris Al-Sultan - Ironman World Champion Ironman Südarika 2014

11.04.2014 - „Ich komme nicht für eine Safari“ habe ich im Vorfeld verkündet und es war auch kein Picknick.

Ein etwas veränderter Kurs, eine statt zwei Runden Schwimmen und zwei statt drei Runden Radfahren mit einigen zusätzlichen Höhenmetern, und ein ordentlicher Wind haben das Rennen fast zu einem kleinen Lanzarote werden lassen.

Nicht voll getapert, war mir im Vorfeld schon klar, dass ich solide aber wohl nicht so spritzig sein würde. Im Wasser gab es Dienst nach Vorschrift. Schnell waren Nils Frommhold, der spätere Sieger, und ich in der Führung und schwammen mehr oder weniger einträchtig nebeneinander her. An unseren Füssen Edo van der Meer, Bas Diederen und Jodie Swallow.

Kurz vor der Wechselzone erfolgte eine kurze Attacke von Nils, wohl um das Privileg als erster den Fluten zu entsteigen für sich in Anspruch nehmen zu können, die ich parierte.

In der Wechselzone bin ich bekanntlich nicht der Schnellste, aber aufgrund eines Sturzes von Nils, war ich auf einmal in der Führung.

Das SRM war abgeklebt, aber die Nachrennanalyse ergab, dass ich aufgrund mangelnder Frische  auf den ersten 25km nicht hart genug anfahren konnte, so dass Georg Potrebitsch und Kyle Buckingham zu uns aufschließen konnten.

Die Mitfavoriten Ronnie Schildknecht und James Cunnama waren zu diesem Zeitpunkt bereits mehr oder weniger aussichtslos zurück.


Die neue zusätzliche Schleife auf der Radstrecke ist ausgesprochen schön und der einzige Weg, das mit 2400 Startern ausgebuchte Rennen ohne zu viel Windschattenfahren und Gefahren an Verpflegungsstellen und bei Überholvorgängen durchzuführen.

Einziges Manko der Radstrecke ist der üble Zustand des Asphalt, der einen an manchen Stellen ein MTB herbeisehnen lässt.

Nach der ersten Runde näherte ich mich erwartungsfroh der „special needs“ Ausgabe, wo ich meinen Beutel problemlos in Empfang nahm, leider ohne Inhalt. Etwas betrübt fuhr ich weiter und Nils startete die zweite Attacke des Tages, die ich wiederum parieren konnte. Mittlerweile war unsere Spitzengruppe auf vier Mann, neben Nils und mir, Bas und Kyle, geschrumpft.

Nach etwa 110 km war es dann nicht mehr ganz so lauschig bei mir. Bergauf ging es relativ leicht, aber bergab tat ich mich gegen die etwas schwereren Kollegen hart.

Auf Platz vier in der Gruppe liegend sah ich die dritte Attacke von Nils nicht, aber ich hätte ihr aller Wahrscheinlichkeit nach auch nichts entgegensetzen können.

Kyle konnte sich auf den verbleibenden Kilometern etwas absetzen, während Bas sich mit letzter Kraft hinter mir halten konnte.

An dieser Stelle sei bemerkt, dass das Rennen aus meiner Sicht ausgesprochen fair war.

In der zweiten Wechselzone angekommen, konnte ich schnell auf den Laufmodus umschalten und erfuhr, dass ich 7 min hinter Nils war und etwa 1:20 hinter Kyle. Mir war klar, dass ich ein Wunder bräuchte, um Nils zu holen, aber ich wusste auch, dass ich einen soliden Lauf in mir hatte.

Mit toller Zuschauerunterstützung gingen die ersten beiden Runden relativ flott vorüber und zu Beginn der dritten, konnte ich Kyle überholen, der sich in einem ziemlichen Tal befand.

Aber spätestens am Hügelchen der dritten Runde waren meine Beine dermaßen abgefertigt, dass auch ich mich nur noch in Mopsgeschwindigkeit vorwärts bewegte, während Kyle getrieben von tausenden seiner Landsleute die zweite Luft bekam und wieder an mir vorbeiging.

Ich war froh im Ziel anzukommen. Hätte bei stärkerer mentaler Kraft vielleicht auch nochmal Kyle einholen können, aber für Nils war ich an diesem Tag mit dieser Form schlicht zu schwach.

Zeiten und Leistung sind aber gut und von einem Mann, der sich für einen Topathleten hält, darf man stets gute Leistung erwarten, auch wenn mir bewusst ist, das nicht stets erfüllt zu haben. Großartiges dagegen ist einfach großartig und daher selten.